Modul 10 – Weltkrieg und Verrat

Die Entstehung des Imperialismus musste zwangsläufig zu einem großen Krieg führen, in dem die rivalisierenden Mächte kämpfen. 1914 stellt einen Wendepunkt sowohl für die Herrschenden als auch für die Arbeiterbewegung dar. Verrat der Sozialdemokratie, Massenabschlachten. Auf Krieg und Elend folgen Revolution und das Verschwinden ganzer Staaten. In diesem Modul geht es zunächst darum, warum der Krieg von einer starken Arbeiterbewegung nicht verhindert werden konnte und wie es zum Zusammenbruch der II. Internationale kam. Die Veränderungen der deutschen Sozialdemokratie stehen im Zentrum, auch als Vorbereitung für die KPD-Gründung, die in einem späteren Modul behandelt wird.

Februar 2026

01.02.2026 – 01.03.2026

Vorlesung: 01.02.2026

Modulbeschreibung

Im Jahr 1914 erreichten die imperialistischen Spannungen in Europa ihren Höhepunkt. Deutschland drängte mit seinem industriellen Aufstieg und seiner Flottenpolitik auf eine Neuaufteilung der Welt. Koloniale Konflikte, Rivalitäten um Handelswege und Einflusssphären verschärften die Konkurrenz mit England, Frankreich und Russland. Die imperialistischen Staaten bereiteten sich auf einen offenen Krieg gegeneinander vor.

In dieser Zuspitzung stand auch die Arbeiterbewegung unter Druck. Die deutsche Sozialdemokratie, einst stärkste Kraft der II. Internationale, hatte sich in den Jahren zuvor schrittweise den Interessen des deutschen Kapitals angenähert. Reformorientierte und opportunistische Strömungen gewannen die Oberhand über revolutionäre Positionen. Der Bruch kam im August 1914: Die SPD-Fraktion stimmte den Kriegskrediten zu und stellte sich damit hinter den Kurs des Imperialismus. Das Versprechen proletarischen Internationalismus’ wurde aufgegeben – der Krieg erhielt politische und moralische Rückendeckung.

Das Modul untersucht diesen Wendepunkt aus der Perspektive der Arbeiterklasse und der Kommunisten. Es fragt, warum es nicht gelang, den Krieg zu verhindern, und welche Folgen der Zusammenbruch der II. Internationale für die Bewegung hatte. Im Mittelpunkt stehen die Veränderungen in der deutschen Sozialdemokratie, die wachsende Spaltung zwischen revolutionären und opportunistischen Strömungen sowie die Entwicklungen während des Krieges selbst: die Verschärfung der Ausbeutung, staatliche Repression und der Widerstand gegen den Krieg.

Vorlesung

Hier verlinken wir das Skript zur Vorlesung, sobald die Vorlesung gehalten wurde.

Vorlesung: 01.02.2026

Literatur

Hier veröffentlichen wir die zu lesende Literatur für die einzelnen Wochen dieses Modul.

Woche 1

Grundkurs
• GdDAB:Der Kampf der deutschen Linken für die Rettung der deutschen Nation vor der Katastrophenpolitik des deutschen Imperialismus 1913/1914. Die Vorherrschaft des Opportunismus in der Partei und in den Gewerkschaften (S. 187-204)
• Internationaler Sozialistenkongress zu Basel: Baseler Manifest (1912)
• Luxemburg: Die Krise der Sozialdemokratie (Kapitel III: Das Aufkommen des Imperialismus).

Erweiterungskurs
•Klein / Gutsche / Petzold: Von Sarajevo bis Versailles ( Abschnitt aus Kapitel I:Ursachen und Entfesselung des ersten Weltkrieges, S.11
-27).

Woche 2

Grundkurs
• Klein / Gutsche / Petzold: Von Sarajevo bis Versailles (Ursachen und Entfesselung des ersten Weltkrieges, S. 28 – 46 und S. 55-61.
•Luxemburg: Die Krise der Sozialdemokratie (Kapitel II. und V. in Ausschnitten).

Erweiterungskurs
• W. I. Lenin: Der Krieg und die russische Sozialdemokratie. (
Oktober 1914)
• Jürgen Kuczynski: Der Ausbruch des Ersten Weltkrieges und die deutsche Sozialdemokratie

Woche 3

Grundkurs
• Luxemburg: Die Krise der Sozialdemokratie (Kapitel VII: Invasion und Klassenkampf, Seite 50 -54 und Ausschnitte von Seite 56-59).
• Lenin: Über die „Junius“ -Broschüre (Juli 1916).
• GdDAB: Das Scheitern der Blitzkriegsstrategie des deutschen Imperialismus. Das allmähliche Anwachsen einer revolutionären Opposition gegen den Krieg und den Sozialchauvinismus bis zur Gründung der Gruppe „Internationale“ (September 1914 bis Frühjahr 1915) (Seite 230-244)

Erweiterungskurs
• Klein / Gutsche / Petzold: Von Sarajevo bis Versailles (Kapitel 15: Die weitere Entwicklung des revolutionären Antikriegskampfes und die Zimmerwalder Konferenz im September 1915, S.111-119).
• Ein erster Schritt– Lenin über die Ergebnisse der Zimmerwalder Konferenz (1915).
• Leitsätze über die Aufgaben der internationalen Sozialdemokratie (Januar 1916).

Woche 4

Grundlagen
• Klein / Gutsche / Petzold: Von Sarajevo bis Versailles (Kapitel: 2
0 und 21. Die Lage der Mittelmächte Ende 1915; Die Formierung der Spartakusgruppe im Frühjahr 1916, S. 132-140).
• GdDAB: Die Wende vom imperialistischen Krieg zum imperialistischen Frieden 1916/1917. Die Spartakusgruppe als Vorkämpferin für Frieden, Brot und Demokratie. Der Einfluß der Februarrevolution in Rußland auf die deutsche Arbeiterbewegung. Die Gründung der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Streiks und Flottenaufstand im Sommer 1917 (Seite 290-295 und 301-315).

Erweiterung
• Lenin: Sozialismus und Krieg? (Kapitel I und III).

Zur Einordnung unserer Quellen empfehlen wir, den Hintergrundtext „Zur Literatur des Studiengangs“ zu lesen.